Tagungsbericht: Zehn Jahre Zentrum für Deutschland-Studien an der Universität Nijmegen

Das Zentrum für Deutschland-Studien (ZDS) der Universität Nijmegen feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ist ein spezieller Sammelband erschienen, der am 12. Oktober dem niederländischen Staatssekretär Benschop und dem deutschen Botschafter in den Niederlanden, Edmund Duckwitz überreicht worden ist. In der Jubiläumsausgabe "Duitsland in Bewegung / Deutschland im Wandel" gibt eine bunte Gesellschaft von Autoren, Journalisten, Wissenschaftler, Vertreter der Wirtschaft und Medien aus u.a. den Niederlanden und Deutschland, ihre persönliche Meinung darüber, was die Berliner Republik ihnen bedeutet, jeder aus seinem beziehungsweise ihrem speziellen Hintergrund. So schreibt eine Mitarbeiterin des deutschen Bundesministeriums für Finanzen über den Umzug von Bonn nach Berlin, erzählt ein Produzent des Jugendsenders BNN über die Dreharbeiten zur Fernsehserie 'Deutschland is cool' und gibt der Germanist Hans Ester eine Übersicht über die Rolle der Stadt Berlin in der deutschen Literatur. Hier erfolgt ein kurzer Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des ZDS.

Sicht auf Deutschland

1987 wird auf Eigeninitiative mehrerer Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter die Stiftung 'Zentrum für Deutschland-Studien in Vorbereitung' ins Leben gerufen. Die Initiatoren erblicken aus der Höhe des Erasmusgebäude der Universität Nimwegen den Deutschen Reichswald und werden gewahr, dass der Blick auf die östlichen Nachbarn zu lange Zeit vernachlässigt worden ist. Eine der wichtigsten Zielsetzungen der Stiftung lautet daher, mehr Interesse an Deutschland zu erwecken. Die Veranstaltungen der Stiftung, wie Vorträge und Seminare, erfreuten sich regen Zuspruchs. Nicht nur innerhalb der Universität, sondern auch außerhalb, bei Behörden und in der Wirtschaft, wird begeistert reagiert. Die Idee - Nimwegen als Fenster nach Deutschland - beginnt Gestalt anzunehmen.

Die Nimweger Initiative bleibt auch jenseits der Grenze bald nicht mehr unbemerkt. An der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster plant man Ende der achtziger Jahre die Gründung eines Zentrums für Niederlande-Studien. Die beiden Parteien haben einander bald gefunden und bauen eine intensive Zusammenarbeit auf. Im September 1989 nehmen erstmalig Studenten das Studium der neuen interdisziplinären Studienrichtung 'Deutschland-Studien' auf, die gemeinschaftlich von der geisteswissenschaftlichen, juristischen, sozialwissenschaftlichen und politikwissenschaftlichen Fakultät zusammengestellt wird. Hiermit ist die Universität Nimwegen die erste Universität in den Niederlanden, an der man sich auf akademischem Niveau mit dem Thema Deutschland beschäftigt. Dies bedeutet, dass nicht nur die Studenten der Germanistik, sondern auch die Studenten anderer Studienrichtungen sich auf die Politik, Wirtschaft, Geschichte und Kultur Deutschlands spezialisieren können. Die so herangebildeten 'Deutschlandspezialisten' sind in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst sehr begehrt. Zugleich wird von der Universität der 'Wechsellehrstuhl Deutschland-Studien' eingerichtet, der von verschiedenen Professoren aus den Niederlanden und aus Deutschland besetzt wird.

Im Oktober 1991 geht mit der offiziellen Eröffnung des Zentrums für Deutschland-Studien der langgehegte Wunsch der Stiftung in Erfüllung. Im selben Jahr öffnet das ZDS sein eigenes Dokumentationszentrum. Hier gibt es eine große Fülle von Spezialinformationen über Deutschland, die niederländisch-deutschen Beziehungen sowie zu (eu)regionalen Themen. Das Zentrum steht nicht nur den Universitätsstudenten offen, sondern allen Interessenten. Die Dokumentalistin des ZDS sorgt für professionelle Begleitung bei der Literatursuche in Datenbanken und anderen relevanten Informationsquellen, sowohl innerhalb der eigenen Kollektion als auch außerhalb. Dies macht das Dokumentationszentrum zu einem 'Geheimtipp' für Übersetzer.

Interesse für die deutsche Sprache

Seit dem Beginn des Studienjahres 2000-2001 veranstaltet das ZDS, gemeinsam mit dem Fachbereich Deutsche Sprache und Literatur, einen Einführungskurs. Im Propädeusejahr der Ausbildung Deutsche Sprache und Kultur wird der Nachdruck auf den Spracherwerb und auf die Orientierung für das Hauptstudium gelegt. Nach dem ersten Jahr können die Studenten sich zwischen dem 'klassischen' Germanistikstudium und dem Studiengang 'Deutsch, neuer Stil' bei 'Deutschland-Studien / Niederlande-Studien' entscheiden. Bei beiden Varianten liegt der Spracherwerb auf demselben Niveau. Angesichts der immer noch abnehmenden Zahl der Studenten, die - an den höheren Schulen, aber auch an den Universitäten und an den Lehrerausbildungen - das Fach Deutsch wählen, verdient das Interesse für die deutsche Sprache unsere besondere Aufmerksamkeit. Mit etwa 140 Studenten ist die Ausbildung Deutsche Sprache und Kultur in Nimwegen die größte in den Niederlanden. Vor fünfzehn Jahren hatten sich allerdings allein in Nimwegen jährlich noch gut 150 Studenten für das Germanistikstudium immatrikuliert. Aufgrund der binationalen Ausbildung, in der die Aufmerksamkeit auf das moderne Deutschland gelenkt wird, hofft das Zentrum für Deutschland-Studien das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur zu fördern. Dies gilt auch für die Lehrerausbildung. Innerhalb der Lehrerausbildung Deutsch für die Sekundarstufe II sind auch Quereinsteiger-Studenten willkommen, sich am Zentrum für Deutschland-Studien weiter in die deutsche Landeskunde und die interkulturelle Kommunikation zu vertiefen.

Wissenszentrum mit Mission

Die Jubiläumsausgabe ist ein gutes Beispiel für die Art und Weise, wie das ZDS auch in Zukunft Deutschland ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken will. Aus breiter Perspektive werden aktuelle Entwicklungen verdeutlicht und besprochen. So organisierte das ZDS in diesem Jahr bereits ein Seminar über das Denken und Handeln in Bezug auf die Euthanasie in den Niederlanden im Vergleich zur Sterbehilfe in Deutschland. Überdies wird in diesem Herbst, in Zusammenarbeit mit dem Nimweger LUX-Theater, eine Filmreihe über Ostdeutschland vorgeführt.

Auch wenn das ZDS bereits zehn Jahre besteht und sich die niederländischen Vorstellungen über Deutschland und die Deutschen im Laufe der Jahre inzwischen erheblich verbessert haben, erfordert das Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit. Die Niederlande können und dürfen es nicht zulassen, dass ihre östlichen Nachbarn negiert werden. Und dies nicht nur aus politischem und wirtschaftlichem Eigennutz, sondern auch deshalb, weil Deutschland auf vielen Gebieten weit mehr zu bieten hat, als man in den Niederlanden gemeinhin annimmt. Nimwegen als ’Fenster nach Deutschland’ ist noch immer aktuell. Das ZDS hofft, dem noch viele Jahre Ausdruck verleihen zu können.

Für weitere Informationen, bitte wenden Sie sich bitte an:
Drs Joost Kleuters
Zentrum für Deutschland-Studien
Universität Nijmegen
Postbus 9103
NL-6500 HD Nijmegen
Niederlande

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